BVAD

Stellungnahme der Bundesvereinigung Aufmerksamkeitsstörung Deutschland (BVAD)

von Dr. Annette Mund, Vorsitzende der BV SeHT e.V. und der BVAD e.V,
Juni 2012

Die BVAD unterstützt umfassend die Absichten der UN-Konvention über die gleichstellenden Rechte von Menschen mit Behinderung. Dabei steht Artikel 24 der Konvention in unserem besonderen Blickpunkt. Dort heißt es nämlich, dass die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen aufbauen und gewährleisten sollen.

Inklusion ist eine gesellschaftliche Grundhaltung, die zu begrüßen, zu begründen und einzufordern ist. Dazu bedarf es einer gesellschaftlichen Einstellungsveränderung der Menschen zur Behinderung. Es muss ein Umdenken stattfinden, weg von bloßer Fürsorge und Versorgung, hin zu selbstbestimmter und optimaler gesellschaftlicher Teilhabe.

Die praktische Ausgestaltung von Inklusion, gerade im Bildungsbereich, steht nach BVAD-Ansicht vor gewaltigen Problemen. Inklusion kann sich nicht in einer pauschalen Forderung nach einer Schule für alle ausdrücken. Es muss verstanden werden, dass Inklusion weitestgehend selbstbestimmte Teilhabe bedeutet.

Inklusion ist nicht das Gegenteil von Differenzierung sondern eher die Grundlage, auf der sie geschehen kann. Doch Differenzierung braucht besondere Ressourcen, damit sie gelingen kann. Inklusiver Unterricht kann nicht in großen Klassen geschehen. Klassenstärken von über 12–15 Schülern verschlechtern gegebenenfalls die Problemlage einzelner Schüler.

Lehrkräfte müssen durch Bereitstellung von Hilfsmitteln, Schulung und seelische wie finanzielle Unterstützung in die Lage versetzt werden, die Herausforderungen inklusiver Beschulung zu meistern. Eine durchgängige Lehrerdoppelbesetzung aller Schulstunden ist erforderlich. Es kann beispielsweise nicht sein, dass nur zwei bis maximal zehn Stunden die Woche eine zweite pädagogische Kraft anwesend ist, wenn der Gedanke der bestmöglichen Förderung aller Kinder Grundlage pädagogischen Planens und Handelns sein soll.

Zudem müssen Konzepte dazu erarbeitet werden, welche Kinder in einer Klasse zusammen wie unterrichtet werden können, denn auch die gleichzeitige Anwesenheit von zwei pädagogischen Kräften garantiert nicht die Beherrschung der Bedürftigkeiten von nicht Beeinträchtigten und z.B. von Kindern mit Teilleistungsschwächen, Autismus, Spastik und Down-Syndrom.

Bestimmten Kindern wird man nur durch die weiterhin bestehende Bereitstellung von speziellen Fördereinrichtungen, die eng mit zugeordneten Regelschulen kooperieren, gerecht werden können. Selbstbestimmte Teilhabe und bestmögliche Förderung schließen sich jedoch nicht aus.

Die innere Haltung zur Ermöglichung gesellschaftlicher Teilhabe aller erfordert ein Verständnis von Menschsein als individuell gleichwertiges Sein. Diese Position ist allen Mitmenschen, besonders Eltern, zu vermitteln, egal ob sie ein behindertes oder ein nicht beeinträchtigtes Kind haben.

Die BVAD will sich mit aller gesellschaftlicher Kraft für die Realisierung von Inklusion einsetzen und gerade auch die politisch Verantwortlichen an ihre entsprechenden Verpflichtungen und ihre Verantwortung regelmäßig und öffentlich erinnern und sie vielfältig zu weiterer Initiative und Aktivitäten auffordern.

Königswinter Im Juni 2012

Dr. Annette Mund, Vorsitzende der BV SeHT e.V. und der BVAD e.V.

 

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