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der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung

von Dr. Annette Mund, Vorsitzende der BV SeHT e.V.,
14.05.2012
 
Die Bundesvereinigung SeHT SelbständigkeitsHilfe bei Teilleistungsschwächen e.V. unterstützt den Gedanken der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Dabei steht Artikel 24 der Konvention in unserem besonderen Interesse. Dort heißt es, dass die Vertragsstaaten ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen gewährleisten.
 
SeHT ist der Meinung, dass Inklusion eine Geisteshaltung ist, welche zu begrüßen, zu begründen und einzufordern ist. Dazu bedarf es einer Einstellungsveränderung der Menschen zur Behinderung. Es soll ein Umdenken stattfinden, weg von Fürsorge und Versorgung hin zu einer selbstbestimmten und optimalen gesellschaftlichen Teilhabe.
 
Die praktische Ausgestaltung des Inklusionsgedankens, gerade im Bildungssektor, steht nach SeHT-Meinung vor gewaltigen Problemen. Inklusion kann sich nicht in einer pauschalen Forderung nach einer Schule für alle ausdrücken, denn damit würde nur ein „Eingeschmolzenwerden in ein neues Ganzes“ erreicht, und nicht die „Bewahrung der Eigen- und Andersheit“ (Baumann. 2010).
 
Es muss verstanden werden, dass Inklusion selbstbestimmte Teilhabe bedeutet und dass diese gerade auch in Sondereinheiten gefördert werden kann. Inklusion ist nicht das Gegenteil von Differenzierung sondern eher die Grundlage, auf der sie geschehen kann. Doch Differenzierung braucht Ressourcen, damit sie gelingen kann. Inklusiver Unterricht kann nicht in großen Klassen geschehen (Biegert. 2012) Eine Klassenstärke von über 12 – 15 Schülern verschlechtert gegebenenfalls die Problemlage der einzelnen Schüler.
 
Die Lehrkräfte müssen durch Bereitstellungen von Hilfsmitteln, Schulungen und seelischer wie auch finanzieller Unterstützung in die Lage versetzt werden, die Herausforderung der inklusiven Beschulung zu meistern. Eine durchgängige Lehrerdoppelbelegung aller Stunden ist notwendig. Es kann nicht sein, dass nur zwei bis maximal zehn Stunden die Woche eine zweite pädagogische Kraft anwesend ist, wenn der Gedanke der bestmöglichen Beschulung aller Kinder im Vordergrund steht.
 
Zudem müssen Konzepte erarbeitet werden, welche Kinder in einer Klasse zusammen unterrichtet werden können, denn auch die gleichzeitige Anwesenheit von zwei pädagogischen Kräften garantiert nicht die Beherrschung der Bedürftigkeiten von nicht Beeinträchtigten und z.B. von Kindern mit Teilleistungsschwächen, Autismus, Spastik und Down-Syndrom.
 
Bestimmten Kindern wird man nur durch die weiterhin bestehende Bereitstellung von speziellen Fördereinrichtungen gerecht werden können. Selbstbestimmte Teilhabe und bestmögliche Förderung schließen sich nicht aus. Diese kann in bestimmten Fällen eher durch eine spezialisierte Fördereinrichtung als in einer „allgemeinen“ Schule geschehen. Inklusiv ist diese Art der Beschulung dann trotzdem, wenn der Geist der Inklusion, das Engagement zur optimalen Teilhabe Lehrbasis ist und durch Begegnungen mit anderen Einrichtungen ergänzt wird. Die innere Haltung zur Ermöglichung einer selbstbestimmten gesellschaftlichen Teilhabe aller erfordert ein Verständnis von Menschsein als individuell gleichwertiges Sein.
 
Diese Position ist allen Eltern zu vermitteln. Egal, ob sie ein behindertes oder ein nicht beeinträchtigtes Kind haben, sie alle sollen dazu beitragen, jedem Einzelnen das Recht auf Selbstbestimmtheit und Teilhabe zu ermöglichen.
 
SeHT SelbständigkeitsHilfe bei Teilleistungsschwächen arbeitet in diesem Sinne seit über 25 Jahren. Wir stehen für Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Teilhabe in allen Aspekten des Lebens.
 
14.05.12
Dr. Annette Mund, Vorsitzende der BV SeHT e.V.